14.02.2011

Die Kramsacher „Loar“

Abb 1: Die unter Wasser stehende Loar in Blickrichtung Osten.

Abb.2:  Die trockengefallene Loar in Blickrichtung  Osten.

Abb.3: Laubfrosch (Hyla arborea).

Abb.4: Sumpf-Heidelibelle (Sympetrum depressiusculum)

Die seit 1984 als Naturschutzgebiet ausgewiesene Loar liegt am Südwest-Rand der Gemeinde Kramsach und zählt mit einer Fläche von lediglich 5,5 ha zu den kleinsten Schutzgebieten in Tirol. Hinsichtlich seiner Entstehungsgeschichte stellt das Gebiet einen ehemaligen Altlauf des Inn dar.

Besonders interessant ist der Wasserhaushalt dieses kleinen Niedermoors. Der im Jahreslauf stark schwankende Wasserstand prägt entscheidend den Charakter der Loar, sodass man von einem Gebiet mit zwei Gesichtern sprechen kann. Während von etwa Mai bis August weite Teile der Loarsenke unter Wasser stehen, fällt das Gebiet von November bis März vollkommen trocken.

Das Feuchtgebiet ist reich strukturiert und weist ein kleinräumiges Mosaik aus Gräben, offenen Wasserflächen, Schilfröhricht, Groß- und Kleinseggen-riedern, Hochstaudenfluren, eingestreuten Gehölzgruppen sowie am Südwestrand einen artenreichen Waldmantel auf.

Was die Bedeutung der Loar anbelangt, gilt das Motto „Klein, aber fein“. Als eines der wenigen noch verbliebenen Restfeuchtgebiete im weitgehend denaturierten Inntal  ist das Moor ein wichtiges naturräumliches Vernetzungselement und Rückzugsgebiet für zahlreiche stark gefährdete bzw. vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Besonders die in Bezug auf Feuchtgebiete sehr charakteristische und reichhaltige Artenzusammensetzung  macht die Loar zu einem „Hotspot“ der Artenvielfalt in Tirol.

Von den zahlreichen Tierarten der Loar sind die Libellen für den Besucher besonders auffällig.  Mit bisher 39 registrierten Arten ist die Loar nicht nur das libellenreichste Feuchtgebiet in Tirol, sondern zählt auch im mitteleuropäischen Vergleich zu den artenreichsten Libellenlebens-räumen. Bemerkenswert ist z. B. das Auftreten aller acht in Tirol heimischen Arten aus der Gattung der Heidelibellen, deren meist rot gefärbte Männchen im Spätsommer regelmäßig zu beobachten sind. Besonders reichhaltig vertreten sind auch die Lurche oder Amphibien. Mit sieben Arten stellt die Loar das artenreichste Lurchgewässer des mittleren Tiroler Inntals dar. Von besonderer Bedeutung ist dabei das zahlenmäßig starke Vorkommen des Laubfroschs, der mittlerweile in Tirol fast völlig verschwunden ist. Weiters findet man noch Gelbbauchunke, Wasserfrosch, Grasfrosch, Erdkröte sowie Teich- und Bergmolch. Von den im Gebiet vorkommenden Schmetterlingen ist der Gelbringfalter zu erwähnen, eine im Juni im Bereich des Waldmantels zu beobachtende Tagfalterart, die stark bedroht und daher EU-weit geschützt ist. Ebenfalls stark vertreten ist die Gruppe der Heuschrecken. Besonders häufig findet man z. B. die Lauchschrecke oder die besonders eng an Feuchtgebiete gebundene Sumpfschrecke.

Unter den Pflanzenarten der Loar stechen zwei typische und früher in den Tallagen Tirols weit verbreitete Riedwiesenarten besonders ins Auge. Es handelt sich dabei um die Sibirische Schwertlilie, die im Juni ihre prächtigen, blauen Blüten zeigt sowie um den etwas später im Jahr, ebenfalls blau blühenden Lungen-Enzian. Für beide Arten ist das Schutzgebiet eines von wenigen noch verbliebenen Rückzugsgebieten in Tirol.

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