24.11.2010

Wetterkapriolen im Auwald

Am Vormittag des 25. Oktober zeigte sich der Auwald am Völser Teich von seiner „wilden“ Seite. Es kam zu einem außergewöhnlichen Ereignis. Bedingt durch den nassen, schweren Schnee brachen sehr viele Äste, worauf hin die Wege im Gebiet durch die Gemeinde gesperrt wurden. Durch das Zusammentreffen mehrerer Faktoren, nasser Schnee über mehrere Stunden und noch ungewöhnlich viele Blätter auf den Bäumen, wurde es bei uns im Auwald vorübergehend gefährlich – glücklicherweise wurde niemand verletzt!
Bei einer Begehung mit zwei Sachverständigen der BH Innsbruck (Forst und Naturschutz), Bgm. Erich Ruetz, Mitarbeitern des Gemeindebauhofs, der Schutzgebietsbetreuung und der ARGE Völser Teich wurde jeder Baum an der Straße und entlang der Wege einzeln geprüft und die weitere Vorgehensweise mit den Experten abgestimmt:

1. Einige größere Silberweiden im Bereich Pfadiheim und FKK mussten aus Sicherheitsgründen gestutzt werden. Eine vollständige Fällung war außer bei wenigen Ausnahmefällen nicht erforderlich. Alle großen Äste wurden möglichst weit oben abgeschnitten. So kann nichts mehr passieren und die Bäume können trotzdem weiterleben.
2. Bei den Bäumen nahe der Wege wurden sämtliche angeknacksten Äste entfernt.
3. Im Bereich Buch (Zufahrtsstraße zw. Thurnfelsstraße und Pfadiheim) wurden zusätzlich einige hochaufgeschossene Grauerlen und Pappeln direkt an der Straße gefällt und in den Wald gezogen. Dort sollen stattdessen die Waldrandstrukturen (Gebüsche, Stauden) gefördert und verbessert werden. Dies ist auch naturkundlich von hohem Wert und schützt den Wald und seine Bewohner vor negativen Einflüssen und Störungen von außen. Die Bäume mit ausreichendem Abstand zur Straße und zu den Wegen werden so belassen wie sie sind. Dort gilt das Prinzip der Eigenverantwortung (z.B. bei starker Schneelast und Fönsturm nicht hineingehen).
4. Das gesamte angefallene Totholz verbleibt als Naturschutz- und Ausgleichsmaßnahme im Auwald! Der „Lebensraum Totholz“ ist naturkundlich sehr wertvoll.

Totholz ist in unseren meist ausgeräumten Forsten leider Mangelware. Dies schon so lange, dass sich in den Köpfen vieler Menschen leider ein verfälschtes Bild von einem „aufgeräumten, sauberen“ Wald gebildet hat. Totholz wird von vielen als unordentlich und sogar hässlich empfunden. In Wirklichkeit werden in Naturwäldern, deren idyllische Bilder in Natursendungen oft und gerne gezeigt werden, Totholzmengen von 50 bis 400 (in Nordamerika sogar bis zu 1000) m3/ha gemessen, während man bei uns durchschnittlich etwa 5-10 m3/ha oder weniger findet (das entspricht etwa 2 % der gesamten Holzmasse).

Die Arbeiten wurden von den Mitarbeitern des Gemeindebauhofs (Elmar, Hans, Helmut und Wendelin) unter der Leitung von Peter Kranz fachkundig und zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten durchgeführt. Herzlichen Dank an dieser Stelle noch einmal an die Gemeinde Völs für die gute Zusammenarbeit mit der Schutzgebietsbetreuung und der ARGE Völser Teich. Dies zeigt, dass verschiedene Interessen wie z.B. Wegsicherung und Naturschutz durchaus vereinbar sind und Probleme gemeinsam gelöst werden können!

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